Berlin · 8 Stimmen
Zu hören
Das bundesdeutsche Hochdeutsch ist zu dem geworden, was die meisten Ohren als «neutral» einordnen, und das ist keine Entscheidung gewesen, sondern eine Folge: Die großen Wörterbücher werden hier gemacht, und die reichweitenstärksten Nachrichten ebenfalls. Wenn Sie eine Vorlesestimme hören und nicht darüber nachdenken, woher sie kommt, ist es meistens diese.
Nicht zu hören
Deutschland ist innerlich weit vielfältiger, als diese Stimmen zeigen. Bairisch, Sächsisch, Schwäbisch, Kölsch, Plattdeutsch — davon ist hier nichts zu hören, und das liegt an der Quelle: In Common Voice haben zwar über dreitausend Menschen «Deutschland Deutsch» angegeben, aber nur eine Handvoll hat zusätzlich eine Region genannt. Vier Personen schrieben «Schwäbisch», drei «Fränkisch», eine «Hessisch». Aus vier Menschen lässt sich keine Auswahl bauen. Wir behaupten deshalb nichts über Regionen innerhalb Deutschlands.
Geschriebener Standard
Deutschland ist das einzige der drei Länder, in dem das ß im vollen Umfang gilt: Straße, Fuß, heißen. Nach der Reform von 1996 steht es nur noch nach langem Vokal und nach Diphthong — aus «daß» wurde «dass», aus «Fluß» wurde «Fluss». Wer einen Text mit ß hier einfügt, bekommt ihn genau so vorgelesen.
Wien · 8 Stimmen
Zu hören
Was Sie hier hören, ist österreichisches Standarddeutsch: dieselbe Grammatik, dieselbe Rechtschreibung wie in Deutschland, aber ein anderer Tonfall und andere Vokale. Die Endung «-ig» klingt am Wortende härter als in Hannover, das «Chemie» beginnt mit einem k-Laut, und die Satzmelodie steigt an Stellen an, an denen sie in Norddeutschland fällt.
Nicht zu hören
Kein Wienerisch, kein Tirolerisch, kein Vorarlbergerisch. Das sind bairische beziehungsweise alemannische Mundarten, und sie unterscheiden sich vom Standard weit stärker als das, was hier zu hören ist. Vorarlberg ist sprachlich ohnehin ein Sonderfall: Es gehört zum alemannischen Raum und liegt damit näher an der Schweiz als an Wien.
Geschriebener Standard
Österreichisches Deutsch ist keine Sammlung von Abweichungen, sondern eine kodifizierte Standardvarietät. Es hat seit 1951 ein eigenes amtliches Regelwerk, das «Österreichische Wörterbuch». Und es ist der einzige Fall, in dem Wortschatz in einem europäischen Vertrag steht: Beim EU-Beitritt 1995 ließ Österreich im «Protokoll Nr. 10 über die Verwendung spezifisch österreichischer Ausdrücke der deutschen Sprache» 23 Bezeichnungen absichern — darunter Erdäpfel, Topfen, Marillen und Faschiertes. Der Wahlkampfslogan von damals lautete: «Erdäpfelsalat bleibt Erdäpfelsalat.»
Zürich · 8 Stimmen
Zu hören
Schweizer Hochdeutsch: die Standardsprache, so wie sie in der Deutschschweiz gesprochen wird, wenn vorgelesen wird. Das r wird häufiger gerollt, das ch sitzt weiter hinten und klingt kräftiger, und die Endsilben werden weniger verschluckt als nördlich des Rheins. Für viele Deutsche ist es die angenehmste der drei Varianten zum Zuhören, weil langsamer und deutlicher artikuliert wird.
Nicht zu hören
Und jetzt das Wichtigste auf dieser Seite: Das ist nicht Schwyzerdütsch. Die Mundart der Deutschschweiz ist alemannisch, sie ist die alltägliche Sprache von der Bäckerei bis zum Bundesrat, und sie ist für Deutsche und Österreicher größtenteils unverständlich — deutsche Sender untertiteln Schweizer Mundart. Common Voice nennt sein Feld zwar «Schweizerdeutsch», aber die Menschen darin haben hochdeutsche Sätze vorgelesen. Wer hier Schwyzerdütsch erwartet, bekommt es nicht, und wir tun nicht so, als wäre es anders.
Geschriebener Standard
Die Schweiz schreibt kein ß. Nicht als Nachlässigkeit, sondern als geltende Rechtschreibung: Strasse, Fuss, heissen. Der Kanton Zürich hörte am 1. Januar 1938 auf, das Zeichen zu unterrichten, die Neue Zürcher Zeitung stellte als letzte Schweizer Zeitung am 4. November 1974 auf ss um, und die Reform von 2006 hat den Zustand festgeschrieben. Auf einer Schweizer Tastatur gibt es die Taste gar nicht — der Platz wird für die Akzente des Französischen und Italienischen gebraucht.